Musik und Texte rührten Herzen der Zuhörer

„Swingende Weihnacht“ der Christian-Sammet-Mittelschule stellt die Frage nach moralischen Verantwortung

PEGNITZ - Den Abend der „Swingenden Weihnacht“ in der Christian-Sammet-Mittelschule eröffnete Hausherr Helmut Graf mit einer dicken Überraschung. Das Pegnitzer Christkind Nina Bauer, selbst Schülerin dieser Schule, trat auf und präsentierte gekonnt den Prolog.

Graf erläuterte, dass die Mittelschule mit dem erweiterten Musikangebot, das seit eineinviertel Jahren existiert, bereits die ersten Früchte ernten kann. „Spitze“ nannte der Rektor den Auftritt der AG Blechbläser unter der Leitung von Jürgen Böhme. Die Leistungen der AG Theater (Leitung Ursula Kurz) waren überaus eindrucksvoll.

Ohne Spickzettel

Besonders die Hauptrolle des Obdachlosen, überragend markiert von Andrea Seidel, war beeindruckend. Viele und lange Textpassagen wurden zu Herzen gehend vorgetragen, ohne einen Spickzettel zu Hilfe zu nehmen. Die weiteren Mitwirkenden spielten ihre Rollen teils cool, teils locker und gut.

Bei der AG Chor (Leitung Erich Nitt) wird derzeit alle 14 Tage geübt und die Leistungen konnten sich durchaus hören lassen. Einige schöne Solos bereicherten die Aufführung.

Die Aula war voll besetzt, das Geschehen des Abends wurde gedanklich auf den Bahnsteig Pegnitz verlegt. Eilende, hastende, gestresste Reisende und mittendrin der Obdachlose, der sich wunderte, warum Menschen Musik wegwerfen können. „Die Macht der Musik rührt das Herz und erfasst sogar die Staatsgewalt“, war der Monolog, in der Szene, als ein Polizist sogar zum Weinen anfing, weil ihn die Musik derartig anrührte.

Jazziges Gewand

Autor Wieland Kleinbub schuf die Rahmenhandlung, die innehalten ließ. Es gab die „alten“ Weihnachtslieder im neuen jazzigen Gewand. Es groovte „Vom Himmel hoch“, bei „O du fröhliche“ swingte es wie bei einer Big Band. In „Stille Nacht“ verzückten die Jazzharmonien derart, dass man sich der Balladen-Weihnachtsstimmung nicht entziehen konnte.

Mittendrin in der Weihnachtshektik eilten Reisende und Bahnhofspassanten an einem Obdachlosen vorbei. Dieser hat eine alte Weihnachtslieder-CD im Müll gefunden und will sie den Leuten vorspielen. Keine Zeit für Musik? Keinen Mut zum Singen? Die Antworten auf diese Fragen scheinen ihm und uns für unser Zusammenleben wichtig.

Ohne moralischen Zeigefinger schiebt der Autor des Stückes den Fokus weg von der Hektik des Festtagstrubels auf kleine Momente der Gemeinschaft, die durch Singen und (Zu-)Hören entstehen können. Man muss sich nur trauen. Mit Erfolg, wie der gelungene Abend in der Christian-Sammet-Mittelschule bewies.

Nordbayerische Nachrichten vom 24.12.2010